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Der 09. November – ein “Schicksalstag” der zeigt, dass wir Extremen keine Chance geben dürfen

Wenn ihr heute (wie ich) im “Social Web” unterwegs gewesen seid, habt ihr vermutlich viele verschiedene Referenzen auf unsere deutsche Geschichte mitbekommen. Tatsächlich wird der 09. November von verschiedenen Historikern als “Schicksalstag der Deutschen” beschrieben, an dem viele Ereignisse passiert sind, die wir nicht vergessen dürfen und aus denen wir lernen sollten.

Hier ein paar Auszüge:

09. November 1918

Nachdem die Niederlage des deutschen Reiches im ersten Weltkrieg unausweichlich erscheint, verkündet Max von Baden eigenmächtig die Abdankung von Kaiser Wilhelm II. Daraufhin ruft Philipp Scheidemann von einem Balkon des Reichstagsgebäudes die “Deutsche Republik” aus. Einige Stunden später proklamiert Karl Liebknecht im Lustgarten vor dem Berliner Stadtschloss die “freie sozialistische Republik Deutschland”. Die Ideologien der sozialistischen Räterepublik und der pluralistisch-parlamentarischen Demokratie prallen unerbittlich aufeinander und führen zu teils bürgerkriegsähnlichen Auseinandersetzungen. Erst im August 1919 wird die Weimarer Republik als erstes, demokratisch strukturiertes Staatswesen in Deutschland etabliert.

09. November 1923

Der Nationalsozialismus ist auf dem Vormarsch und wird erstmalig auch über die Grenzen hinweg wahrgenommen. Der bisher eher unbekannte Parteichef der NSDAP, Adolf Hitler, entscheidet sich bewusst am 5. Jahrestag der Republik dafür, einen Putschversuch zur Abschaffung der parlamentarischen Demokratie hin zu einer nationalistischen Diktatur zu unternehmen. Der Versuch scheitert schon nach kurzer Zeit und 16 Todesopfern. Hitler wird in der Folge zu fünf Jahren Haft verurteilt, kommt aber bereits nach 9 Monaten wegen guter Führung frei. Nach Hitlers Machtergreifung ca. 10 Jahre später, ruft er den 09. November als staatlichen Trauerfeiertag der “Blutzeugen der Bewegung” aus.

09. November 1938

Unter dem euphemistischen Begriff “Reichskristallnacht” nutzen die Nationalsozialisten den Mordanschlag auf einen deutschen Diplomaten in Paris als Propaganda, um die “Novemberpogrome” einzuleiten. In ganz Deutschland und Österreich werden jüdische Geschäfte, Einrichtungen und Synagogen systematisch demoliert, geplündert und in Brand gesteckt. Innerhalb von wenigen Tagen werden hunderte Juden ermordet und der Grundstein der Judenverfolgung gelegt. Aus der bisherigen Ablehnung gegenüber Juden wurde offener Hass, Diskriminierung und Ausgrenzung, die letztlich im Holocaust und somit mit der systematischen Ermordung von etwa 6 Millionen Juden und weiteren ausgegrenzten Bevölkerungsgruppen endete.

09. November 1989

Nach der Kapitulation der Wehrmacht und der Errichtung der Besatzungszonen bildete sich im Jahr 1949 die Deutsche Demokratische Republik. Die je nach Zeitpunkt als “realsozialistisch” oder “kommunistisch” bezeichnete Republik wird von der SED als diktatorisches Regime geführt, dass den “Antifaschismus” als Staatsdoktrin etabliert hat. Aus diesem Grund wird am 13. August 1961 eine Mauer als “antifaschistischer Schutzwall” sowie zur Eindämmung der Abwanderung von Arbeitskräften errichtet, was Walter Ulbricht den Titel “größter Lügner der Geschichte” einbrachte und grenznahe Familien und Freunde auf Jahrzehnte auseinander reißen sollte. In dieser Zeit werden Bürger vom Ministerium der Staatssicherheit anlasslos überwacht. Wahlen finden nur mit Abgabe des Stimmzettels für die sogenannten “Einheitslisten” statt. Erst mit dem Fall der Mauer am 09. November 1989 führt die “friedliche Revolution der DDR” zum Ende der SED-Herrschaft und zur Wiedervereinigung von Deutschland.

Was lernen wir vom “deutschen Schicksalstag”?

Ich für meinen Teil kann aus der Geschichte lernen, dass wir nicht in Extreme verfallen oder an Ideologien festhalten dürfen. Wir alle sollten offen für Kompromisse und andere Ansätze sein und unsere Freiheit sowie die Möglichkeit, Einfluss auf unsere Gegebenheiten zu nehmen wahrnehmen und schätzen.

Marcel Cremer

Marcel Cremer ist gelernter Fachinformatiker für Anwendungsentwicklung und IT-Beauftrager der Piratenpartei Rhein-Erft. Als Parteibasis wirkt er aus Kerpen-Blatzheim.