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Welche persönlichen Schlüsse können wir aus der Corona-Zeit ziehen?

Zurzeit steht das Leben vieler Menschen Kopf. Die aktuelle Lage erfordert von uns allen Verzicht, Akzeptanz, Verständnis und Zusammenhalt. Keiner von uns hat sich auf eine solche Situation vorbereitet gefühlt. Wir wurden quasi ins kalte Wasser geschmissen. Hätte uns jemand im letzten Jahr erzählt, dass wir den kommenden Frühling nicht mehr in die Eisdiele oder in den Biergarten gehen können, wir vor den Geschäften Schlange stehen und die samstägliche Shoppingrunde mit der Besten Freundin wegfallen würde. Das wir Ostern nicht im Kreise der gesamten Familie verbringen können, so hätten wir wahrscheinlich laut angefangen loszulachen. Wir sind es gewohnt, dass wir Alles und Jeden sofort zur Stelle haben können. Genauso gewohnt sind wir es, dass wir morgens aufstehen und zur Arbeit gehen, dass wir unser Brot erwerben und uns im besten Fall keine Gedanken über unsere Anstellung machen müssen. Nun hat sich das alles und noch viel mehr von jetzt auf gleich geändert. Auf einmal müssen wir uns in Geduld üben, wir müssen rücksichtsvoll und vor allem genügsam sein. Plötzlich erwachen so viele gesellschaftliche Werte wieder zum Leben. Die Menschen fangen an sich wieder Gedanken zu machen und auf sich und andere zu achten. Ich finde, dass dies einer der positiven Aspekte der Corona-Zeit ist, weswegen ich gerne einen weiteren Denkanstoß geben möchte, welche persönlichen Schlüsse man aus dieser Zeit ziehen kann.

#1: Sich selbst genug sein

Auch wenn es uns schwer fällt, da wir quasi wie in einem Rausch leben und uns dauernd mit unterschiedlichsten Dingen befassen, sei es die Arbeit, Feiern, Events, Familie usw., sollten wir uns darüber im Klaren werden, dass wir uns selbst genug sein sollten und niemand anderen benötigen, um zufrieden zu sein. Wir sollten uns viel öfter Zeit für uns selbst nehmen, in uns gehen und überlegen, welche Bedürfnisse wir haben und wie wir diesen Ausdruck verleihen. Aktuell fühlen sich wahrscheinlich viele Menschen einsam. Ich denke, dass man daran arbeiten kann, die Einsamkeit zu genießen, wenn man mit sich selbst im reinen ist. Hierzu gibt es tolle Bücher, Podcasts, Blogposts und auch Radioshows.

#2 Geduldig sein

„Wann können wir denn endlich wieder so weiter leben wie vorher?“ diese Frage stellen sich wahrscheinlich einige Menschen. Als Grund hierfür würde ich definieren, dass wir es nicht gewohnt sind, abwarten zu müssen. Wir sind äußerst privilegiert, die Welt ist für uns schnell und man bekommt alles zu jeder Zeit. Was wir vergessen: Diese Erwartungshaltung kann nicht immer getragen werden. Wenn wir uns diesen Gedanken hervorrufen und überlegen, was es eigentlich bedeutet, dass wir nie auf etwas warten müssen, wird man denke ich schnell erkennen, dass das nicht immer machbar ist. Wir sollten uns viel mehr in Geduld üben, akzeptieren, dass Dinge Zeit brauchen und diese dann viel mehr schätzen.

#3 Dankbar sein und Menschen schätzen

Aktuell gilt ein großer Dank, an alle Menschen, die in systemrelevanten Berufen arbeiten und das Land als solches zusammenhalten, uns pflegen sowie versorgen. Ein großer Dank gilt aber auch alle denjenigen, die sich an die Vorschriften und Bitten halten, sowie an alle, die unter der Krise leiden, aber dennoch Verständnis und Solidarität gegenüber ihren Mitmenschen zeigen. Es gibt viele Dankesreden, sowie Gesten, die einen Dank und eine Wertschätzung ausdrücken sollen. Ich finde es etwas traurig, dass wir erst in einer schweren Zeit „Danke“ sagen können. Wir sollten uns als Menschen angewöhnen, öfters mal einfach „Danke“ zu sagen. So schätzen wir die Menschen und das, was sie tun. Wahrscheinlich erledigen Sie die Aufgaben dann mit einem besseren Gefühl als vorher.

#4 Werte wieder erwecken

Was erwarten wir zur Zeit von den Menschen? Wir müssen zusammenhalten, solidarisch und fürsorglich sein, wir müssen Vertrauen zeigen und füreinander einstehen. Das sind so viele gesellschaftliche Werte, die wir benötigen, um zusammen leben zu können. Leider hat man immer wieder das Gefühl, dass genau diese Werte den Menschen abhanden gekommen sind. Aktuell erwachen sie wieder, bitte lasst uns daran arbeiten, an ihnen festzuhalten und auch nach dieser Krise wertvoller miteinander umzugehen.

#5 Genügsam sein

Auch ein wichtiger Punkt, wie ich finde, ist, dass wir wieder Freude an den kleinen Dingen im Leben finden können. Wir sollten uns darüber Gedanken machen, ob es wirklich materielle Dinge sind, die uns glücklich machen und, ob wir wirklich immer mehr und mehr benötigen. Sind wir nicht vielleicht zufriedener, wenn wir gemeinsame Zeit mit unseren Liebsten verbringen können? Wenn diese alle gesund sind und dass wir nicht in Mitten eines Krieges Leben. Vielleicht freuen wir uns wieder über ein Telefonat mit den Großeltern, über einen Spaziergang mit unserem Hund oder verwirklichen uns selbst bei künstlerischen Aktionen oder beim Kochen und Backen.

#6 Entspannter sein

Eigentlich ist es doch auch mal ganz schön, die Zeit alleine oder mit der Familie zu genießen, wenn man jeden Tag frühstücken kann, als wäre es Sonntag, man viel mehr Zeit hat, um den Haushalt zu erledigen und man sich wieder viel mehr aus die einfachen Dinge besinnen kann. In einer Gesellschaft, in der wir von klein auf dazu trainiert werden, immer Vollgas zu geben, tut eine entspannte Zeit jedem Menschen gut. Wir sammeln neue Energie, reflektieren unser Leben und können so einiges in die nächste Phase unseres Lebens mitnehmen.

#7 Selbstdisziplin

Natürlich können wir auch in dieser Zeit nicht alles auf Null laufen lassen. Viele Menschen müssen trotzdem arbeiten, auch wenn es im Home-Office ist. Die Kinder müssen beaufsichtigt werden, der Haushalt muss weiterhin geschmissen werden. Natürlich verleitet das Zuhause bleiben, dazu Dinge vor sich herzuschieben und den ganzen Tag im Pyjama herumzusitzen. Das kann man sich klar auch mal erlauben, jedoch ist es die beste Möglichkeit seine Disziplin zu trainieren, ein Stück weit eigenständiger zu werden, wenn der Tag nicht mehr jede Minute strukturiert ist.

#8 Vorbereitet sein

Es ist sicher nicht möglich, sich auf jede Eventualität vorzubereiten, jedoch können wir aus dieser Krise ganz gewiss einige Schlüsse für uns ziehen. So scheint es auf einmal doch recht praktisch, wenn man ein paar Lebensmittel auf Vorrat einkauft, man technisch auf einem guten Stand ist und das Bewusstsein in sich trägt, dass der aktuelle Zustand immer temporär ist.

#9 Auf seine Gesundheit achten

Plötzlich ist es so, als seien den Menschen ihre Gesundheit erst wichtig, wenn ein Virus ausbricht, welches mitunter tödlich enden kann. Wir sollten uns darüber bewusst werden, dass unsere gesamte Lebensweise Einfluss auf unsere Gesundheit hat. Sei es eine gesunde Ernährung, viel Bewegung, wenig Stress, weniger Genussmittel, all diese Dinge tun uns und unserem Körper gut. So können wir selbst dazu beitragen, ein langes und glückliches Leben zu führen.

Ich hoffe, dass Ihr euch den ein oder anderen Punkt ebenfalls zu Herzen nehmt. Vielleicht sind euch gewisse Punkte selbst aufgefallen oder vielleicht, haben Sie euch zumindest zum Denken angeregt. Auch in dieser Krise, wie bei allem: Immer auf das positive besinnen. Es wird wieder besser werden. Vielen Dank für eure Aufmerksamkeit.

Stella Tuchscherer ist auszubildende Kauffrau für Büromanagement, Vorstandsmitglied REK und Ortsgruppensprecherin der Piratenpartei in Kerpen. Nebenberuflich arbeitet Sie im Jugendzentrum als Kinderbetreuerin mit verschiedensten Projekten. Ihr ganzer Einsatz steckt in der Sozialpolitik, wo Sie versucht die Lebensqualität für alle zu verbessern.