Sehr geehrter Herr Landrat Rock,
Russland ist es trotz des Einsatzes fast all seiner verfügbaren militärischen Mittel und trotz hunderttausender getöteter russischer Soldaten auch im vierten Jahr seines Angriffskrieges nicht gelungen, das ukrainische Militär auf dem Gefechtsfeld zu besiegen, was angesichts der russischen Verluste von 20.000 bis 30.000 Soldaten pro Monat im Tausch für marginale Geländegewinne sowie der ukrainischen Überlegenheit auf dem Gebiet der taktisch-operativen Drohnenkriegsführung auch in absehbarer Zeit nicht gelingen wird. Dem russischen Staat wird im Verlauf des vor uns liegenden Jahres jedoch zunehmend das Geld fehlen, um diesen seinen Krieg in der bisherigen Intensität weiterführen zu können und seine Ziele mit rein militärischen Mitteln zu erreichen.
Um diesem Dilemma zu entkommen, versucht Russland nun schon seit einigen Monaten durch gezielte und systematische Angriffe auf Kraftwerke, Umspannwerke und Gasnetze mitten im tiefsten Winter nicht nur den Widerstandswillen der ukrainischen Bevölkerung zu brechen, sondern ganze Städte faktisch unbewohnbar zu machen, um „die strategische Tiefe des Gegners zu neutralisieren“, wie die russische Militärdoktrin es nüchtern beschreibt.
Sehr geehrter Herr Landrat, in der Ukraine erreichen die Temperaturen in diesen Tagen hohe zweistellige Minusgrade. Wir werden Zeuge eines der schwersten Verbrechen gegen das humanitäre Völkerrecht in Europa seit dem Ende des zweiten Weltkrieges. Und die deutsche Politik? Schweigt dazu weitestgehend.
Vor diesem Hintergrund halte ich es für in höchstem Maße geboten, die Kooperation mit dem Powiat Bielsko zur Unterstützung der Menschen in der Ukraine auszuweiten und zeitnah Hilfe in Form von Gerätschaften zur Erzeugung sowie Speicherung von Energie in die Ukraine zu senden. Dies nicht nur zur Linderung der akuten Not, sondern auch als wichtiges Zeichen von Solidarität und Verbundenheit zwischen den Kommunen des demokratischen Europas.
Darüber hinaus bitte ich Sie zu prüfen, inwieweit der Rhein-Erft-Kreis zivilgesellschaftliche Initiativen der Ukrainehilfe hier vor Ort besser vernetzen und unterstützen kann. Dies könnte beispielsweise durch beratende Begleitung, Koordinationsangebote, aber auch ganz praktische Unterstützung geschehen, um das bereits bestehende Engagement effizienter und wirksamer zu gestalten.
Schließlich möchte ich anregen zu prüfen, ob der Rhein-Erft-Kreis über geeignete Drittmittel oder Förderprogramme die Organisation einer Ferienfreizeit für ukrainische Kinder ermöglichen könnte. Ziel wäre es, diesen Kindern zumindest für eine begrenzte Zeit einen Aufenthalt in einer sicheren, friedlichen Umgebung zu ermöglichen. Nicht wenige von ihnen haben einen großen Teil ihres jungen Lebens im Krieg verbracht. Dies könnte einen zugegeben sehr kleinen, aber wichtigen Beitrag leisten, das unermessliche Leid, das dieser Krieg Tag für Tag verursacht, zu lindern.
In dem Wissen, dass Ihnen die Unterstützung der Menschen in der Ukraine ebenfalls am Herzen liegt, und auch mit Blick auf das bisherige, umfangreiche Engagement der Kreisverwaltung in dieser Hinsicht, danke ich Ihnen herzlich für Ihre Zeit und Ihre Bereitschaft, sich mit meinen Anliegen zu befassen.
Mit freundlichen Grüßen,