Warum brauchen wir 2026 noch einen Pride Month?
Jedes Jahr wird dieselbe Frage gestellt:
„Brauchen wir den Pride Month heute überhaupt noch?“
Die Antwort findet sich oft direkt unter Beiträgen zum Pride Month.
Unter Bildern von Regenbogenflaggen. Unter CSD-Ankündigungen. Unter Beiträgen von Städten, Vereinen, Initiativen oder Unternehmen.
Dort lesen wir Kommentare wie:
• „Kranke Idioten.“
• „Direkt in die Psychiatrie.“
• „Zum Kotzen.“
• „Unser Untergang naht.“
• „Das sollte nicht normalisiert werden.“
• „Lasst unsere Kinder damit in Ruhe.“
• „Ich kann es nicht mehr sehen.“
• „Belastend.“
Diese Kommentare stammen nicht aus einer fernen Vergangenheit.
Sie stammen aus Deutschland und Europa. Aus dem Jahr 2026.
Besonders deutlich trifft diese Entwicklung derzeit trans Menschen. Während ihre Rechte zunehmend Gegenstand politischer Debatten werden, nimmt gleichzeitig die gesellschaftliche Feindseligkeit zu.
Immer häufiger wird über Menschen gesprochen, als seien sie ein Problem, das gelöst werden müsse – statt Menschen mit denselben Rechten, Hoffnungen und Ängsten wie alle anderen.
Und doch richtet sich die Ablehnung oft nicht einmal gegen konkrete Forderungen oder politische Positionen.
Manchmal reicht bereits Sichtbarkeit.
Unter Videos von Straßen in London, die mit Pride-Flaggen geschmückt sind, finden sich Kommentare wie „Das sollte nicht normalisiert werden“ oder dass es sie an das Dritte Reich. Unter Bildern aus Köln oder vor Rathäusern wird gefragt, warum überhaupt Flagge gezeigt werden müsse.
Dabei tun die Menschen auf diesen Bildern nichts anderes, als sichtbar zu sein.
Genau deshalb braucht es Pride.
Denn Pride war nie nur eine Party.
Pride war nie nur ein bunter Umzug.
Pride entstand aus Protest. Aus dem Kampf gegen Diskriminierung. Aus dem Wunsch, nicht länger versteckt leben zu müssen. Aus dem Einsatz für gleiche Rechte, gleiche Chancen und die Freiheit, man selbst sein zu dürfen. Aus dem Kampf gegen Unterdrückung, Entmenschlichung und Repressalien. We‘ve come a Long way, aber sind längst nicht am Ziel.
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Pride braucht aber mehr als Regenbogenflaggen
Und wir sollten auch selbstkritisch sein.
Jedes Jahr werden im Juni Unternehmenslogos bunt. Es erscheinen Pride-Kollektionen, Sondereditionen und Werbekampagnen. Regenbogenfarben sind plötzlich überall sichtbar.
Doch was passiert am 1. Juli?
Stehen dieselben Unternehmen, dieselben Organisationen und dieselben Menschen dann noch immer an der Seite queerer Menschen?
Oder verschwindet das Engagement gemeinsam mit der Marketingkampagne?
Echte Solidarität zeigt sich nicht im Profilbild.
Sie zeigt sich dann, wenn es unbequem wird.
Wenn jemand im Freundeskreis queerfeindliche Sprüche macht.
Wenn Mitschülerinnen und Mitschüler ausgegrenzt werden.
Wenn Menschen in der U-Bahn beleidigt werden.
Wenn Politiker Minderheitenrechte infrage stellen.
Wenn Hass nicht nur im Internet stattfindet, sondern im Alltag.
Dann zeigt sich, wer wirklich Haltung hat.
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Pride ist Erinnerung, Protest und Verantwortung
Der CSD ist kein beliebiges Straßenfest.
Er erinnert an Menschen, die für ihre Rechte kämpfen mussten und vielerorts noch immer kämpfen müssen.
Er erinnert daran, dass Freiheit, Gleichberechtigung und Menschenwürde nie selbstverständlich waren und es auch heute nicht sind.
Und er erinnert uns daran, dass eine freie Gesellschaft nicht daran gemessen wird, wie sie mit Mehrheiten umgeht.
Sondern daran, wie sie mit Minderheiten umgeht.
Als PIRATEN stehen wir für eine Gesellschaft, in der jeder Mensch frei leben kann – unabhängig von Geschlecht, sexueller Orientierung oder geschlechtlicher Identität.
Nicht nur im Juni.
Nicht nur solange es bequem ist.
Sondern jeden einzelnen Tag des Jahres.
Denn wir brauchen Pride nicht wegen der Regenbogenflagge.
Wir brauchen Pride wegen der Reaktionen auf die Regenbogenflagge.
Happy Pride Month 2026