Die PIRATEN Ratsgruppe Kerpen hat einen Antrag eingebracht, mit dem die Verwaltung beauftragt werden soll zu prüfen, in welchen Bereichen eine interkommunale Zusammenarbeit mit Nachbarkommunen sinnvoll und entlastend sein könnte. Ziel ist es, frühzeitig tragfähige Modelle der Kooperation zu entwickeln, um auch unter Fachkräftemangel und steigenden Anforderungen eine leistungsfähige Verwaltung zu sichern.
Konkret soll untersucht werden, ob mit umliegenden Städten – insbesondere Frechen und weiteren Nachbarkommunen – für einzelne Aufgabenbereiche gemeinsame Strukturen aufgebaut oder bestehende Kooperationen vertieft werden können. Dazu gehört auch die Frage, ob es für Kerpen personell, organisatorisch und wirtschaftlich sinnvoll wäre, gemeinsam mit anderen Kommunen ein Rechnungsprüfungsamt zu betreiben.
Zudem soll die Verwaltung darstellen, in welchen Abteilungen, Sachgebieten oder Aufgabenbereichen aufgrund von Altersstruktur, Fachkräftemangel oder Stellenbesetzungsproblemen absehbar Personalengpässe drohen. Im Anschluss ist zu prüfen, ob diese Aufgabenbereiche künftig gemeinsam mit anderen Kommunen im Rahmen interkommunaler Zusammenarbeit wahrgenommen werden können.
„Wenn absehbar Stellen unbesetzt bleiben oder Aufgaben kaum noch zu stemmen sind, darf Kerpen nicht erst reagieren, wenn es brennt – wir brauchen rechtzeitig Alternativen“, erklärt Alessa Flohe, Ratsgruppensprecherin.
Ein weiterer Baustein des Antrags ist die Prüfung, ob eine gemeinsame interkommunale Vergabe- bzw. Ausschreibungsstelle sinnvoll wäre, die Ausschreibungen und Vergabeverfahren für mehrere Kommunen bündelt. Vorbildcharakter könnten dabei bestehende Modelle wie die Milan GmbH im Kreis Düren haben, die als kommunales Kooperationsprojekt verschiedene Aufgaben zentral bündelt.
Wichtig ist den PIRATEN dabei die klare Abgrenzung: Es geht ausdrücklich nicht um die Abgabe von Aufgaben oder eine schleichende Entmachtung der Stadt Kerpen. „Interkommunale Zusammenarbeit bedeutet für uns nicht Ausverkauf der Zuständigkeiten, sondern partnerschaftliche Kooperation – Aufgaben bleiben kommunal, werden aber klüger organisiert. Vor allem da, wo bereits jetzt oder absehbar in Zukunft Fachkräfte fehlen werden. Wir fischen alle auf dem selben Markt.“, betont Flohe.
Die Verwaltung soll dem Rat bzw. dem zuständigen Ausschuss über die Ergebnisse der Prüfung berichten und mögliche Kooperationsfelder, rechtliche Rahmenbedingungen, finanzielle Auswirkungen sowie denkbare nächste Schritte darstellen.
„Wer heute systematisch prüft, wo gemeinsame Organisationseinheiten, geteilte Stellen oder gemeinsame Sachkosten Sinn ergeben, schafft morgen Spielräume für stabile Dienstleistungen, ohne die kommunale Selbstverwaltung aufzugeben“, so Flohe.